Automatisierung, also das automatische Umsetzen von manuellen Aufgaben durch physische oder digitale Technologien, ist ein polarisierendes Thema. Für die einen bedeutet sie eine Erleichterung im privaten und beruflichen Leben, den anderen nimmt sie den Job. Die Definition von Automatisierung und dessen Nutzung sind individuell unterschiedlich. Für manche ist sie ein Fluch, für andere ein Segen. Wie sich die Automatisierung und die Anwendung dieser dank Künstlicher Intelligenz (KI) verändert hat und warum sie dadurch ein gesellschaftliches Thema geworden ist, erklären wir in diesem Blogbeitrag.

Definition Automatisierung

In der allgemeinen Definition von Automatisierung versteht man darunter die Ausführung von Arbeitsprozessen durch Maschinen oder Softwarelösungen zur Automatisierung von Prozessen, die sonst manuell durchgeführt werden. Die Abfolge der automatisierten Aufgabe wird dabei durch ein Programm, das feste Regeln bzw. Logiken enthält, vorgegeben. Werden Werkzeuge zur Unterstützung des Menschen eingesetzt, wie z.B. eine Bohrmaschine, spricht man von Mechanisierung. Dabei wird die Aufgabe als solche weiterhin durch den Menschen ausgeführt. Bei einer automatisierten Ausführung wird die Aufgabe hauptsächlich durch eine Automatisierungsanlage o.ä. übernommen und der Mensch überwacht oder kontrolliert lediglich die Ausführung. Je nachdem, wie groß der automatisierte Anteil eines Prozesses ist, unterscheidet man bei der Definition von Automatisierung zwischen Teil- und Vollautomatisierung:

  • Teilautomatisierung: Einige Prozessschritte werden automatisiert ausgeführt, andere manuell vom Menschen. Beispielsweise werden bei der Verarbeitung von Werkstoffen in Produktionsprozessen grobe oder schwere Arbeiten automatisiert, z.B. mit einem Roboter oder einer CNC-Maschine. Feinarbeiten führt man manuell aus.
  • Vollautomatisierung: Der Arbeitsprozess wird vollständig in den Verantwortungsbereich einer Maschine oder Software übergeben. Viele Herstellungsprozesse laufen heutzutage vollautomatisiert. Auch Softwarelösungen jeglicher Art, z.B. Suchmaschinen, sind ein weiteres Beispiel für vollautomatisierte Prozesse.

Gründe für Automatisierung

Automatisierungslösungen werden in der Regel eingesetzt, um Zeit und Geld zu sparen. Automatisierte Prozesse werden außerdem robuster, mit weniger Fehlern und einer insgesamt höheren und konstanten Qualität ausgeführt. Unternehmen setzen Maschinen oder Softwarelösungen auch dort ein, wo eine dauerhafte Verfügbarkeit wichtig ist. Denn im Gegensatz zu einem Menschen kann eine Maschine in der Regel rund um die Uhr arbeiten, ohne dabei zu ermüden. Körperlich schwere oder gefährliche Arbeiten, die früher noch vom Menschen durchgeführt wurden, werden heutzutage meistens automatisiert ausgeführt, um die Gesundheit der Mitarbeiter*innen zu schützen. Einen Mehrwert für den Menschen leistet Automatisierung auch bei sehr monotonen Aufgaben, ob stupides Übertragen von Daten oder immer derselbe Fertigungsschritt.

Heutige Definition der Automatisierung

Automatisierung hat ihren Ursprung im Bereich der Produktion. Im Zuge der Industrialisierung wurden dort immer mehr Aufgaben durch Maschinen übernommen. In der dritten und vierten industriellen Revolution hat die Automatisierung durch den Computer und die heutigen smarten Technologien in allen Bereichen des Lebens und der Unternehmen Einzug gehalten. Die Definition der Automatisierung hat sich dabei nicht viel verändert, wohl aber die Anwendungsbereiche. Automatisierungstechnologien haben sich vor allem im IT Bereich weiterentwickelt. Heute kennen wir die folgenden Arten der Automatisierung in der IT:

  • Algorithmen sind dabei der Grundstein. Sie geben einer Maschine, bzw. einem Computer, anhand eines strukturierten Schemas eine Vorgehensweise vor, um ein Problem zu lösen. Dieses Schema definiert, wie eine Eingabe in eine Ausgabe überführt wird.
  • Künstliche Intelligenz (KI) macht eine Automatisierungslösung intelligenter. KI befähigt Automatisierungslösung dazu, das menschliche Verhalten nachzuahmen und Muster zu erkennen und zu verstehen. So kann sie komplexere Entscheidungen, die keinem festen Schema folgen, treffen.
  • Machine Learning (ML) ist ein Teilgebiet von Künstlicher Intelligenz und erweitert diese um die Fähigkeit zu lernen. Eine ML Automatisierungslösung baut sich über die Laufzeit einen Erfahrungsschatz aus Vergleichsfällen und -daten auf und kann aus der Vergangenheit Prognosen für die Zukunft abgeben.

Tipp 💡

Sogenannte „smarte“ Automatisierungen, die KI und ML nutzen, können wir beispielsweise nutzen, um:

  • Sprachen und Texte zu erkennen und zu verarbeiten
  • Fahrzeuge autonom fahren zu lassen
  • Vorhersagen zu treffen, wann eine Maschine o.ä. verschleißt (Predictive Maintenance)
  • Mithilfe von Datenmodellen bestimmte Szenarien, z.B. hinsichtlich der Entwicklung bestimmter Märkte, und ihre Eintrittswahrscheinlichkeit automatisiert zu berechnen
  • Digitale Assistenten, wie z.B. Chatbots oder Sprachassistenten, umzusetzen und eine Mensch Maschinen Interaktion zu ermöglichen

Automatisierung bedroht Berufe

All diese hochkomplexen und intelligenten Automatisierungslösungen können uns und unsere Gesellschaft voranbringen. Die Angst, dass Maschinen uns Menschen ersetzen, ist aber weit verbreitet und auch nicht ganz unbegründet. In vielen Bereichen, z.B. in der Produktion oder der Logistik, haben große Automatisierungsanlagen manuelle Tätigkeiten übernommen. Aktuell führen Menschen noch viele Aufgaben aus, die wir in der Zukunft automatisieren können. Davon wird zum einen weiterhin der produzierende Sektor betroffen sein, da es dort viele Aufgaben gibt, die sehr monoton sind und wenig menschliche Entscheidungsfähigkeit benötigen. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) können dort ca. 65% der Tätigkeiten automatisiert werden.

Nicht nur Menschen mit einem niedrigen Bildungsstand oder in Hilfsberufen, sondern auch hochqualifizierte Berufe sind durch die Automatisierung bedroht. Tätigkeiten im Bereich Finanzen und Versicherungen weisen ein hohes Automatisierungspotenzial auf und auch im Rechtswesen oder der Medizin ist der Einsatz von Automatisierung denkbar. Laut einer OECD Studie ist in Deutschland fast jeder fünfte Job durch Automatisierung bedroht. Dieser Wandel ist bereits in vollem Gange und wird sich durch die hohe Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts schneller vollziehen als in der Vergangenheit. Es ist daher wichtig, die gesellschaftlichen Folgen dieses Wandels in den Blick zu nehmen und Antworten auf u.a. folgende Fragen zu finden:

  • Wie schaffen wir vor allem für geringqualifizierte Personen einen Zugang zu Weiterbildungen?
  • Auf welche Art und weise stellen wir einen sinnvollen Einsatz von Automatisierung sicher, sodass nicht die Technologien uns nutzt, sondern wir die Technologie nutzen?
  • Wie nutzen wir die freie Zeit in Bereichen, wo uns Automatisierung entlastet und nicht komplett substituiert?

Unsere Definition der Automatisierung

Es ist klar, dass die Automatisierung vielen Berufsgruppen den aktuellen Job wegnimmt. Wir sehen die Verantwortung ganz klar bei den Unternehmen, schon jetzt Maßnahmen zu ergreifen, um Mitarbeiter*innen fortzubilden und anderweitig einzusetzen. Dazu müssen wir neue Geschäftsmodelle entwickeln und outgesourcte Prozesse und Tätigkeiten wieder inhouse umsetzen. Aus der allgemeinen Definition von Automatisierung wird deutlich, dass es sich dabei um eine hochkomplexe Technologie handelt. Aufgrund der großen gesellschaftlichen Herausforderungen ist es wichtig, Automatisierungstechnologien so zu entwickeln, dass sie auch für Nicht-Expert*innen zugänglich sind. Sogenannte No-Code oder Low-Code Automatisierungen können nach einer Weiterbildung von Mitarbeiter*innen, deren Aufgaben durch die Automatisierung übernommen werden, bedient, gewartet oder sogar entwickelt werden.

Es gibt aber auch viele Bereiche, in denen Automatisierung nicht als Bedrohung, sondern als Entlastung gesehen werden kann, beispielsweise durch den Einsatz von Robotern im Büro. Bei unserer Definition von Automatisierung gilt vor allem: Eine Automatisierungslösung sollte uns Menschen dienen und uns in unserem Alltag, ob beruflich oder privat, entlasten. Bei uns steht die Frage, wie wir arbeiten würden, wenn wir Arbeit neu denken könnten, im Zentrum unseres Handelns. Automatisierung ist dabei ein großer Faktor, der uns dabei hilft, eine Antwort auf diese Frage zu finden und unseren Modern Workplace zu gestalten. Dabei sollte immer der Mensch im Mittelpunkt stehen und, dass jede*r das macht, was er*sie am besten kann.

Automatisierung und Verteilung von Aufgaben

Bei dieser Verteilung von Aufgaben und Zuständigkeiten spielt die Automatisierung in unseren Augen eine wichtige Rolle. Auf der einen Seite gibt es Aufgaben, die eine Maschine besser ausführen kann als ein Mensch. Eine Maschine kann häufig schneller und nahezu fehlerfrei arbeiten. Zudem gibt es Aufgaben, für die wir eigentlich überqualifiziert sind. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Aufgaben, bei denen wir den Menschen zwingend benötigen. Wir sind kreativ, können Dinge neu denken, empathisch mit unseren Mitmenschen interagieren und in jeder Situation die Rahmenbedingungen individuell abwägen und die beste Entscheidung treffen. Durch den ständigen Fortschritt der Automatisierungstechnologien, durch den Maschinen immer intelligenter werden, wächst ihre Befähigung, uns auch diese komplexeren Aufgaben abzunehmen. In diesem Aufgabenbereich wird es aber vermutlich nie gelingen, unsere menschlichen Fähigkeiten vollständig nachzuahmen bzw. zu ersetzen. Bei der Verteilung von Aufgaben sollten die Stärken und Schwächen von Automatisierungslösungen genauso einbezogen werden, wie die der Menschen. So können wir Aufgaben sinnvoll zwischen uns und unseren „automatischen“ Kolleg*innen verteilen.

Automatisierung muss sinnvoll eingesetzt und für alle zugänglich sein

Automatisierung zwingt uns dazu, Arbeit neu zu denken. In den Bereichen, in denen sie uns substituiert und in den Bereichen, wo sie uns entlastet, aber nicht komplett ersetzt. Wir müssen das Bewusstsein entwickeln, dass die Automatisierung ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft ist und allen zugänglich sein muss. Nur so können wir einer Klassengesellschaft entgegenwirken.

In vielen Bereichen benötigen wir menschliche Fähigkeiten weiterhin. Gerade dort möchten wir euch dazu ermutigen, Automatisierungslösungen als Chance wahrzunehmen und nicht als Bedrohung. Sie ermöglichen uns, uns zeitfressender und stupider Arbeit zu entledigen und geben uns Raum für die Dinge, die wir wirklich machen wollen. Im Arbeitsalltag solltet ihr Automatisierung dort einsetzen, wo sie euch bei euren Aufgaben entlastet und einen Mehrwert leistet. Dafür könnt ihr die für euch passenden Technologien auswählen und andere Lösungen getrost beiseiteschieben. Häufig suggeriert uns unsere schnelle und hochentwickelte Gesellschaft, dass wir nur „ganz vorne mit dabei sind“, wenn wir immer die neuesten Technologien einsetzen. Sicherlich ist es wichtig, ein Auge darauf zu haben und die Auswahl an Automatisierungslösungen bei sich selbst regelmäßig zu hinterfragen. Am Ende kommt es aber darauf an, wie Maschinen oder Software Menschen sinnvoll unterstützen können. Technologien sollten dabei nicht nur eigesetzt werden, weil sie neu sind.