In der Phase „Standpunkt definieren“ des Design Thinking Prozess sammeln wir alle bisherigen Erkenntnisse und nutzen diese, um uns neu zu fokussieren. Eine Frage, die wir uns hier stellen müssen, ist, ob unsere ursprünglich formulierte Design Challenge noch passend ist. Wir haben neue Einblicke gewonnen und können nun unseren Forschungsbereich weiter eingrenzen. Dazu formulieren wir an dieser Stelle eine sogenannte „How Might We“ Frage (HMW-Frage) oder auch Fokusfrage.

Wie der Name schon verrät, handelt es sich hierbei um eine Formulierung nach dem Schema „How Might We“ oder auf Deutsch „Wie können wir“. Schon beim ersten Formulieren unserer Design Challenge ist uns diese Formulierung begegnet. Aber auch im Übergang in die Ideenfindung hilft sie uns weiter, um unser Suchgebiet möglichst konkret, aber auch offen genug zu formulieren.

Eine Frage nach dem Muster „How Might We“ macht es uns leichter in einen Ideen-Modus zu kommen als ein formuliertes Problem. Hier einmal zum Vergleich:

Problem: „Das Recycling von Plastikmüll in privaten Haushalten in Deutschland ist zu kompliziert“

HMW-Frage: „Wie können wir das Recycling von Plastikmüll für private Haushalt vereinfachen?“

Ergebnisse aus den vorangegangenen Phasen nutzen

Je nachdem welche Methoden wir in den vorangegangenen Phasen angewendet haben, schauen wir uns unsere Interviewergebnisse der Explorativen Interviews, unsere Persona und deren Bedürfnisse und Hindernisse aus der Charette Methode an. Wir gleichen diese mit unserer ursprünglichen Design Challenge ab – passt der Fokus noch? Wichtig ist hier auch, dass sich unsere HMW-Frage nur auf ein es unserer identifizierten Bedürfnis-Hindernis-Paare bezieht. Ansonsten versuchen wir im weiteren Verlauf mehr als ein Problem zu lösen – das wird nicht funktionieren.

Zunächst kann es helfen, unsere Erkenntnisse noch einmal in einzelnen Statements zusammenzufassen. Daraufhin fällt es uns leichter diese nach dem Muster „Wie können wir“ oder „How Might We“ umzuformulieren. Vermutlich werden dabei mehrere Fragen herauskommen, aber das ist auch gut so. Somit haben wir unterschiedliche Anknüpfungspunkte für ein Lösungsdesign bzw. die Ideenfindung in der nächsten Phase.

Den richtigen Punkt zwischen offen und geschlossen treffen

Wichtig bei einer How Might We Frage ist es, dass diese weder zu konkret noch zu offen ist. Sie sollte in jedem Fall so offen sein, dass sie mehrere Lösungen zulässt. Außerdem sollten bestimmt Aspekte enthalten sein, wie die Zielgruppe und der Kontext. Nehmen wir erneut unser Beispiel:

Zu geschlossen: „Wie können wir dafür sorgen, dass jeder eine Recycling Tonne bekommt?“

Offen genug: „Wie können wir das Recycling von Plastikmüll für private Haushalte erleichtern?“

Zu offen: „Wie können wir das Plastikmüll-Problem lösen?“

Wenn wir unsere HMW-Frage formuliert haben, sollten wir diese gut sichtbar an einer Wand aufhängen, sodass sie für die kommenden Phasen immer präsent ist. Es kann jetzt endlich mit der tatsächlichen Entwicklung von ersten Ideen losgelegt werden. Dabei helfen uns zum Beispiel die „6-3-5 Methode“ oder auch „Kill your company“.

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