Kategorien: Agilität, Methoden|

In der zweiten Phase der Retrospektive haben wir Informationen über den vergangenen Sprint gesammelt. Jetzt geht es darum, diesen Informationen genauer auf den Grund zu gehen und tiefere Erkenntnisse zu gewinnen. Wir befinden und in der Phase „Einsichten gewinnen“. Hier kann uns die Methode „5X Warum“ dabei helfen, Dinge gründlich zu hinterfragen.

Wieso es wichtig ist zu verstehen warum etwas passiert ist

Wir sprechen aus Erfahrung, wenn wir sagen, dass es nicht ausreicht nur Dinge zu benennen. Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, müssen wir zwei entscheidende Dinge tun:

  1. Den wahren Grund finden – warum ist es, wie es ist?

  2. Daraus lernen – was können wir zukünftig tun, damit es nicht wieder passiert?

Wir erleben häufig, dass Retrospektiven darauf beschränkt sind Aspekte lediglich zu sammeln. Der nächste Schritt, die Dinge zu hinterfragen, wird leider oft nicht gegangen. So entsteht die Situation, dass Teams in Retros immer über ähnliche Themen sprechen. Wenn wir den Grund nicht kennen, können wir nichts verändern.

Um diese Einstellung in unseren Retros präsent zu haben, haben sich bei ein Leitsatz gebildet:

Wir wollen wirklich verstehen, was unserem Kunden hilft bzw. was das Problem ist

5X „Warum?“ fragen

Um den wahren Kern hinter unseren Eindrücken und Gefühlen aus dem letzten Sprint zu finden, also es wirklich zu verstehen, müssen wir fragen: warum? Und das nicht nur einmal, sondern 5x Mal. Diese Methode nutzen wir auch im Innovationsbereich, um Kund*innenbedürfnisse tiefgründig verstehen zu können.

Für die Methode „5x Warum“ nutzen wir unsere Themen, die wir in der vorherigen Retro-Phase gesammelt haben. Wir empfehlen eine Auswahl an zu bearbeitenden Themen zu treffen, z.B. durch Voting mit Klebepunkten.

Wir bilden 2er Teams. Jedes Team hat nun 10 Minuten Zeit, um das Thema zu hinterfragen. Dabei fragen sich die Mitglieder immer: warum? Und das ganze 5 Mal. Im Anschluss teilen die Teams in den restlichen 5 Minuten ihre Erkenntnisse.

Ein Beispiel

Wie sieht die Methode in der Praxis aus?

  • Warum: Warum haben wir zu wenig geschafft?

  • Antwort: Es gab zu viele neue Anforderungen, die wichtiger waren.

  • Warum: Warum gab es zu viele neue Anforderungen?
  • Antwort: Die Kundenanforderungen haben sich häufig geändert.

  • Warum: Warum haben sich die Kundenanforderungen geändert?
  • Antwort: Die Produktvision ist nicht klar.

[…]

Was bedeutet das Ergebnis für das Meeting?

Wenn wir uns trauen, die Methode vollständig durchzuführen, warten spannende Erkenntnisse auf uns. Zu Beginn fühlt sich die Methode nicht immer intuitiv an. Wir mussten uns gerade bei den ersten Malen zwingen nicht nach dem zweiten „Warum“ abzubrechen. Je häufiger wir diese Methode anwenden, desto flüssiger läuft es.

Nach dem 5. Warum haben wir den Kern unserer vorher gesammelten Themen erforscht. Anhand dieser Erkenntnisse können wir Maßnahmen ableiten, die wir bei unserem nächsten Sprint anwenden können.

Unsere Best Practices

Wir sind mit der Methode bereits aus dem Design Thinking vertraut. Daher können wir sagen, dass sie uns nicht sofort leicht von der Hand ging. Wir sind es gewohnt nach Lösungen zu suchen und uns nicht allzu lange mit dem Problem zu beschäftigen. Die Jahre während der Schulzeit sowie auch z.B. im Studium, haben uns stark auf Lösungsorientierung geprägt. Mit den 5x Warum müssen wir also ein wenig gegen das Bekannte kämpfen.

In der vorangegangenen Phase „Informationen sammeln“ benennen wir, z.B. Mithilfe der Methoden Retro Hochzeit oder Mad, Sad, Glad, häufig nur ein Resultat oder ein Ergebnis von zusammenhängenden Ereignissen. Die 5x Warum helfen uns relativ schnell an den Kern zu kommen.

MEHR RETRO METHODEN