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Ziel der ersten Phase einer Sprint Retrospektive ist es, alle Teilnehmer*innen abzuholen und auf die Retrospektive einzustimmen. Die Teammitglieder sollten sich voll und ganz auf die Retrospektive und die Reflektion der letzten Iteration konzentrieren. Ein*e Moderator*in sorgt mit Hilfe von Methoden und kleinen Übungen dafür, dass sich alle zu Beginn einmal zu Wort melden, um so das Eis zu brechen.
Ein solcher Eisbrecher kann zum Beispiel die sogenannte „FEUG“-Methode sein. Bei dieser geht es darum herauszufinden, wie die Einstellung der einzelnen Teammitglieder zu der heutigen Retrospektive ist. Das ist wichtig, um die richtigen Erwartungen gegenüber dem Treffen und den einzelnen Personen aufbauen zu können.

Teilnehmer*innen haben unterschiedlichen Motive

Das Akronym „FEUG“ steht für Forscher*innen, Einkaufsbummler*innen, Urlauber*innen und Gefangene. Bekannt ist die Methode auch unter dem englischen Titel „ESVP“-Methode wobei die Buchstaben hier für die Begriffe Explorer, Shopper, Vacationer und Prisoner stehen.

Jeder dieser Begriffe bildet eine Kategorie, in die sich die Teammitglieder entsprechend ihrer heutigen Einstellung gegenüber der Retrospektive einordnen sollen.

Forscher*in, Einkaufsbummler*in, Urlauber*in oder Gefangene*r?

Die Definition der einzelnen Kategorien ist wie folgt:

Ein*e Forscher*in ist neugierig und möchte möglichst viel über die vergangene Iteration herausfinden – was lief gut? Was lief nicht so gut? Welche Verbesserung können gemacht werden?

Ein*e Einkaufsbummler*in hat eine grundsätzlich positive Einstellung gegenüber der heutigen Retrospektive. Diese*r Teilnehmer*in ist zufrieden, wenn einige positive Erkenntnisse am Ende des Meetings herausspringen.

Als Urlauber*in kategorisiert sich, wer eigentlich wenig Lust auf die Retrospektive hat. Urlauber*innen nehmen dennoch teil, um von anderen Aufgaben weg zu kommen.

Wer sich als Gefangene*r einstuft, ist nicht freiwillig bei dem Termin dabei. Diese Personen fühlen sich gezwungen teilzunehmen und würden viel lieber etwas anderes tun.

Der*die Moderator*in führt durch die Methode

Der*die Moderator*in hat, wie grundsätzlich in der Retrospektive, eine wichtige Rolle denn Er*sie erklärt vorab die „FEUG“-Methode. Er*sie kündigt an, dass es eine anonyme Umfrage geben wird und gibt Informationen zu den möglichen oben genannten Kategorien. Jede*r Teilnehmer*in erhält einen Zettel und schreibt den zutreffenden Begriff auf. Der*die Moderator*in sammelt nun die Zettel ein, sodass die Antworten anonym bleiben. Er*sie zählt diese aus und stellt die Anzahl der Antworten auf dem vorbereiteten Flipchart dar.

FEUG MEthode

Der*die Moderator*in sollte daraufhin die Zettel demonstrativ zerreißen/vernichten. Insbesondere wenn das Vertrauen im Team nicht hoch ist, ist dies ein wichtiger Punkt.

Das Ergebnis wird gemeinsam besprochen

Der*die Moderator*in läutet nun eine Diskussion ein, um über das Gesamtergebnis zu sprechen. Eröffnet lässt sich die Diskussion mit der einfachen Nachfrage, was die Teilnehmer*innen von dem Ergebnis halten bzw. wie sie es interpretieren. Hierbei liegt der Fokus darauf gemeinsam zu diskutieren, welchen Einfluss das Ergebnis auf die heutige Retrospektive haben wird. Diese Diskussion sollte mit ca. 10 Minuten knapp gehalten werden. Je nach Teamgröße muss diese Zeit natürlich angepasst werden.

Was bedeutet das Ergebnis für das Meeting?

Ideal ist es natürlich wenn die Teilnehmer*innen „Forscher*innen“ und „Einkaufsbummler*innen“ sind. So hat man eine motivierte Gruppe, die der Retrospektive sehr positiv gegenüber stehen und an einem guten Ergebnis interessiert sind. Wenn die Konstellation bunt gemischt ist, ist das auch in Ordnung. Die motivierten und interessierten Kolleg*innen werden die anderen hoffentlich mitziehen.

Wenn es allerdings viele „Gefangene“ gibt, sollte gemeinsam diskutiert werden, wo der Mehrwert der Retrospektive liegt, bzw. wie dieser geschaffen werden kann. Für den Moment kann es sinnvoll sein, die „Gefangenen“ aus der Retrospektive zu entlassen. Eine weitere Maßnahme könnte sein, dass von nun an die Retrospektiven auf freiwilliger Basis stattfinden. Der*die Moderator*in sollte „Urlauber*innen“ und „Gefangene“ kurz dazu motivieren, sich auch an den folgenden Übungen aktiv zu beteiligen.

„FEUG“ ist nur eine von vielen Methoden

Für diese Methode sollten insgesamt 10-15 Minuten eingeplant werden. Der/Die Moderator*in sollte in der Vorbereitung das Flipchart mit den Rollen vorbereiten, ansonsten sind keine weiteren Vorbereitungen nötig. Die FEUG-Methode ist nur eine von vielen Möglichkeiten, um in einer Retrospektive den Rahmen zu schaffen und das Eis zu brechen. Weitere Retrospektive Methoden für den Sprintabschluss findet ihr hier.

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