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Kennt nicht jeder diese Meetings, bei denen uns im Anschluss die Frage im Kopf schwirrt, was hat das Meeting jetzt gebracht? Hat sich die Zeit gelohnt, die wir investiert haben? Dieses Gefühl sollten wir nach einer Retrospektive (Retro) nicht haben. Daher ist es wichtig, auch die Retros stets zu verbessern und anzupassen. Wir können mit der ROTI Methode (Return on time invested) schnell herausfinden, ob uns die Retro geholfen hat. Unüblich für die Meetingkultur, aber ein einfaches Mittel, um Transparenz zu schaffen.

Keiner hat Lust auf die Retros – was können wir tun?

Wir nehmen uns nach unseren Sprints Zeit, um herauszufinden, ob unsere Arbeit, unsere Prozesse und unsere Kommunikation gut laufen. Dafür nutzen wir die Retrospektive. Genauso sollten wir uns ebenfalls fragen, ob unsere Retrospektive (Retro) erfolgreich war.

Wir erleben, dass dieser Schritt in der Praxis zu selten gegangen wird. Das endet oftmals in schlechter Stimmung, wenn es um die Retro geht. Viele Teammitglieder wollen nicht so richtig daran teilnehmen und das muss nicht immer an dem Sprint liegen. Manchmal liegt es auch an dem Gefühl, dass die Retro nicht hilft und die eigene Zeit besser in die Aufgaben selbst investiert wäre. Immer wenn wir das hören, sollten bei uns die Alarmglocken läuten. Jetzt sollten wir handeln und unsere Retro hinterfragen.

Transparenz über die Retro schaffen – ROTI Methode

Überblick Anwendung der Methode

Zur Durchführung der Methode „Return on time invested“ können wir zwischen zwei Varianten wählen: Wir nutzen die 5-Finger-Methode oder unsere Feedback-Skala. Beide Methoden unterscheiden sich nur minimal und erzielen denselben Effekt.

ROTI Methode mit der 5-Finger-Methode

Zum Abschluss der Retro bittet der Scrum Master oder der*die Moderator*in die Teilnehmer*innen darum, die Retro zu bewerten. Bewertet wird hierbei die individuelle Einschätzung jedes Einzelnen zur Retrospektive.

Zur Bewertung zeigen die Teilnehmer*innen ein bis fünf Finger. Die Bewertung erfolgt gleichzeitig, sodass im Anschluss alle Teilnehmer*innen das Ergebnis sehen.

Die 5-Finger-Skala

ROTI - 5 Finger Methode  1 Finger: Die Retro war wertlos für mich. Ich habe wertvolle Stunden verloren.

ROTI - 5 Finger Methode  2 Finger: Die Retro war sinnvoll/nützlich, aber die investierte Zeit nicht wert. Ich habe dadurch wertvolle Zeit verloren.

ROTI - 5 Finger Methode  3 Finger: Die Retro war wertvoll. Der Nutzen und meine investierte Zeit sind ausgewogen.

ROTI - 5 Finger Methode  4 Finger: Der Nutzen der Retro überwiegt meine investierte Zeit.

ROTI - 5 Finger Methode  5 Finger: Die Retro war überaus wertvoll. Der Nutzen der Retro übersteigt weitaus meine investierte Zeit.

Der*die Moderator*in erklärt die 5-Finger-Skala. Im Anschluss haben die Teilnehmer*innen kurz Zeit, sich Gedanken über die Bewertung zu machen. Daraufhin geben alle zeitgleich ihre Bewertung ab. Jeder zeigt die Anzahl der Finger, der für ihn*sie das Verhältnis von Mehrwert zu investierter Zeit widerspiegelt.

ROTI Methode mit der Feedback-Skala

Diese andere Variante ist eine simple Feedback-Skala. Diese Methode wird ebenfalls durch den*die Moderator*in angeleitet. Dazu wird ein Flipchart mit der Feedback-Skala vorbereitet. Die Teilnehmer*innen erhalten jeweils einen Klebepunkt, den sie als Bewertung auf der Skala platzieren.

return on time invested - Feedback Skala

Die Skala umfasst 5 Bewertungsmöglichkeiten. Diese ähneln der 5-Finger-Methode: 1 steht für geringen Wert im Vergleich zur investierten Zeit. Die 5 steht für den höchsten Wert im Vergleich zur investierten Zeit.

Der*die Moderator*in bittet die Teilnehmer*innen nach einer kurzen Erklärung, die Klebepunkte zu verteilen.

Was bedeutet das Ergebnis für das Meeting?

Die ROTI-Methode hilft uns dabei, unsere Retros zu verbessern. Die Methode kann ohne lange Erklärung mit dem Team durchgeführt werden. So stellen wir sicher, dass die Retros nicht zu unliebsamen Terminen werden.

Sollte nach einer Retro die Bewertung im Bereich „wenig Wert“ oder „wertlos“ liegen, müssen wir unsere Retros hinterfragen und anpassen. Wir können die Zeit bei der nächsten Retro nutzen, um dies zu analysieren und Verbesserungen abzuleiten.

Unsere Best Practices

Wir empfehlen die ROTI-Methode nicht nach jeder Retro durchzuführen. Wir nutzen die Methode als schnellen Abgleich mit unserem Bauchgefühl. Wenn wir den Eindruck haben, dass die Retro bei den Teilnehmer*innen einen geringen Stellenwert einnimmt. So können wir mit der Methode schnell Transparenz schaffen. Daher empfehlen wir die Methode nach Bedarf zu nutzen und konkrete Veränderungen abzuleiten. Um einen ersten Eindruck zur Einstellung zur Retro zu erhalten, nutzen wir auch häufig die FEUG-Methode.

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