Wenn ich in den letzten Monaten durch meinen LinkedIn-Feed gescrollt bin (folgt unserer Company-Page für aktuelle Neuigkeiten!), dann war einer der Begriffe, die immer wieder auftauchten, „Working Out Loud“ (WOL).

Einige bekannte Unternehmen wie Bosch, Daimler und Siemens vertrauen Working Out Loud bereits, um ihre Mitarbeiter*innen über Standorte hinweg zu vernetzen. Lasst uns also genauer betrachten, ob auch ihr Working Out Loud für euch und euer Unternehmen sinnvoll einsetzen könnt oder ob es sich hierbei nur um ein weiteres Buzz Word der neuen Arbeitswelt handelt!

Was ist Working Out Loud?

Der Begriff „Working Out Loud“ wurde das erste Mal von Bryce Williams im Jahr 2010 in seinem Blog als ein Ansatz beschrieben, um die eigene Arbeit sichtbar zu machen und wichtige Erkenntnisse mit anderen zu teilen. Sein Ziel war es Wissen nicht nur anzusammeln, sondern öffentlich zu machen und weiterzuentwickeln. Dadurch könnt ihr Netzwerke aufbauen, die sich untereinander in eurer persönlichen Weiterentwicklung fördern. Es handelt sich also um eine Art der „Social Collaboration“ beziehungsweise des „Social Learnings“, des Lernens und Zusammenarbeitens in einer Gruppe.

Diesen Ansatz entwickelte der US-Amerikaner John Stepper zu einer konkreten Methode weiter. Diese ermöglicht euch in einem selbstgesteuerten Peer-to-Peer-Lernformat im Austausch mit anderen eure persönliche Ziele besser verfolgen und erreichen zu können. Ziele können sowohl privater Natur sein, zum Beispiel wenn ihr mehr Sport in eurem Alltag integrieren wollt, aber auch berufliche Ziele, wie zum Beispiel das Testen eines neuen Business-Modells.

Working Out Loud bietet euch dabei einen geschützten Raum, in dem eine geringere Hemmschwelle herrscht, Neues auszuprobieren. Das macht es leichter neue Angewohnheiten zu entwickeln, die euch helfen eure Ziele besser verfolgen oder aus einer neuen Perspektive sehen zu können.

Für Working Out Loud benötigt ihr einen „Circle“, also eine Gruppe von drei bis fünf Teilnehmer*innen. Mit diesen trefft ihr euch über einen Zeitraum von 12 Wochen jeweils eine Stunde pro Woche, um eine persönliche oder berufliche Fragestellung voranzubringen. Jede Session wird durch einen Leitfaden begleitet, der einen für alle gewinnbringenden Austausch in eurem Circle unterstützt.

Was sind die Ziele von Working Out Loud?

Die grundlegende Idee von Working Out Loud ist, dass ihr mithilfe eines Netzwerks aus wertvollen Beziehungen,  also eurem Circle, eure individuellen Ziele besser erreicht. Ihr unterstützt euch gegenseitig auf diesem Weg und betrachtet Probleme so aus einem neuen Blickwinkel.

Working Out Loud folgt damit einem Paradigmenwechsel, der seinen Ursprung in Social Media hat und in den letzten Jahren auch vor der Arbeitswelt nicht Halt gemacht hat. Relevant ist nicht länger, wer sein Wissen für sich behält, sondern wer es teilt und damit andere unterstützt ihre Herausforderungen besser zu meistern.

John Stepper hat deswegen fünf Prinzipien definiert, denen ein Working Out Loud Circle folgen sollte und welche die Vorteile und Ziele der Methode widerspiegeln:

Im Austausch mit anderen baut ihr Vertrauen auf, erlebt ein bereicherndes Miteinander und erschließt euch ein Netzwerk an bedeutsamen Beziehungen, zu dem jeder etwas beitragen kann.

Durch das Teilen eurer persönlichen Erfahrungen reflektiert ihr nicht nur euren eigenen Lernprozess, sondern gebt euer Wissen an andere weiter. Umgekehrt erwerbt ihr durch den Austausch mit anderen den Zugang zu neuem Wissen und Denkmustern.

In eurem Circle habt ihr die Möglichkeit durch euer Feedback und eure Ideen anderen Menschen dabei zu helfen selber zu wachsen. Ihr könnt somit direkt zur positiven Weiterentwicklung der anderen Teilnehmer*innen beitragen.

Durch den Austausch in einem kleinen und persönlichen Kreis lernt ihr eure eigenen Ziele besser kennen. So könnt ihr besser handeln, um eure Ziele zu erreichen.

Durch den Austausch mit anderen erhaltet ihr einen Blick über den Tellerrand und könnt euch für neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit öffnen.

Working Out Loud

Wie finde ich andere Teilnehmer*innen für Working Out Loud?

Um einen Working Out Loud Circle zu starten, solltet ihr euch weitere Mitstreiter*innen suchen. Je nach Thema könnt ihr diese in eurem Unternehmen, eurem Bekanntenkreis oder auf sozialen Plattformen wie Facebook oder LinkedIn suchen:

Um einen geschützten Raum zu kreieren, macht es Sinn euch mit Menschen zusammenzutun, die ihr nicht so gut kennt. So könnt ihr unvoreingenommen kommunizieren und Neues ausprobieren. Hört bei der Auswahl der Teilnehmer*innen auf euer Bauchgefühl und sucht euch ruhig Mitstreiter*innen, die einen anderen Hintergrund haben als ihr. So kann eure Gruppe ihre volle Schwarmintelligenz miteinbringen.

Wie laufen die Treffen ab?

Mit eurem Circle trefft ihr euch über 12 Wochen hinweg jeweils eine Stunde pro Woche. Ihr solltet also mit Vor- und Nachbereitung etwa zwei Stunden pro Woche einplanen. Die Treffen könnt ihr sowohl online als auch in Person durchführen.

In eurem ersten Treffen definiert jede*r Teilnehmer*in ein persönliches Ziel, das er*sie in den nächsten Wochen erreichen möchte. Dieses Ziel kann persönlicher oder beruflicher Natur sein. Es sollte aber bedeutsam, erreichbar und als Lernziel formuliert sein.

Für jede der nachfolgenden Sessions gibt es eine festgelegte Agenda und Aufgaben. Diese sind in einem Leitfaden, dem sogenannten WOL Circle Guide, definiert. Diese Aufgaben zeigen eurem Circle auf, wie ihr euer neues Netzwerk am besten nutzen könnt, um euch gegenseitig zu inspirieren und gemeinsam eure individuellen Ziele zu erreichen.

Zum Abschluss jedes Treffens erhaltet ihr eine Aufgabe, die ihr bis zur nächsten Session vorbereiten solltet. Diese Aufgaben unterstützen euch dabei über die 12 Wochen eurem gesetzten Ziel möglichst nahe zu kommen.

Ein typisches Treffen sieht so aus: Nach einem kurzen Check-in macht ihr eine Gruppenübung, in der ihr zum Beispiel erarbeitet, wo eure aktuellen Stärken liegen. Anschließend diskutiert ihr, wie ihr die Erkenntnisse dieser Übung in den nächsten Wochen in euren Alltag integrieren könnt. Ihr haltet fest, was ihr bis zum nächsten Treffen tun möchtet, um eurem Ziel näher zu kommen.

Working Out Loud

Unsere Erfahrungen und Tipps

Hand aufs Herz: In unserem Team hat bisher noch niemand einen „offiziellen“ Working Out Loud Circle absolviert. In den vergangenen Jahren haben wir jedoch alle sehr gute Erfahrungen mit „Accountability Groups“ oder „Peer-Support-Gruppen“ gemacht. Also anderen Social Collaboration Formaten, die gemeinsames Lernen und Vernetzen fördern. Im Unterschied hierzu nimmt euch Working Out Loud durch die genaue Beschreibung der Abläufe und den zur Verfügung gestellten Circle Guide etwas mehr an der Hand. Das ist besonders bei der ersten Durchführung eines solchen Formats sehr hilfreich.

Im Folgenden möchten wir euch unsere allgemeinen Tipps zu Social Collaboration und Learning Formaten geben, die in dieser Form auch auf Working Out Loud zutreffen:

  • Am Anfang kann es ungewohnt sein sich mit anderen Menschen über persönliche Ziele auszutauschen. Ermutigt euch gegenseitig euch zu öffnen und zeigt euch durch positives Feedback eure gegenseitige Wertschätzung.

  • Nutzt das Format für euch, um Neues auszuprobieren. Working Out Loud gibt euch einen sicheren Raum. WOL gibt euch auch die Möglichkeit, um neue Routinen und Verhaltensweisen auszuprobieren, die ihr sonst nicht nutzt.

  • Nutzt Working Out Loud ruhig, um nicht nur an euren Lernfähigkeiten, sondern auch an euren Coaching-Skills zu arbeiten. Hier habt ihr die Möglichkeit anderen Menschen direktes Feedback zu geben. Außerdem könnt ihr besser verstehen, wie ihr dieses direkt und konstruktiv kommunizieren könnt.

  • Wenn ihr nicht den offiziellen Circle Guide nutzen möchtet, sucht einfach bei Google nach „WOL Circle Guide“. Ihr werdet jede Menge kostenlose Guides finden, die euch in eurem Prozess begleiten.

  • Legt alle 12 Termine für den Circle vor oder im ersten Meeting fest. Sucht euch dafür am besten einen festen Wochentag mit gleichbleibender Uhrzeit aus. Routinen helfen euch dabei euer Ziel im Auge zu behalten. So könnt ihr eurem Circle die notwendige Wertschätzung entgegenbringen.

  • Eine Stunde pro Meeting kann ganz schön kurz sein. Denkt daran auch anderen genug Zeit zu geben ihre Fortschritte zu teilen. Nutzt Timeboxes, damit jeder zum Zug kommen kann.

  • Last but not least: Nehmt das Ganze nicht zu Ernst. Working Out Loud ist nicht nur eine Methode, um eure Ziele zu erreichen und euch zu vernetzen. Es ist vor allem ein Experiment, bei dem ihr ganz viel Spaß haben dürft. Vergesst nicht euch und eure Circles regelmäßig zu feiern!

Fazit

Working Out Loud ist unserer Meinung nach ein sehr bereicherndes Format. Da ihr neue Sichtweisen auf eine persönliche Herausforderung gewinnen und euch mit Gleichgesinnten vernetzen könnt. So könnt ihr andere in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen. Gerade auch im Unternehmen kann Working Out Loud helfen tiefe, abteilungsübergreifende Netzwerke zu etablieren und Informationssilos abzubauen.

Hinter Working Out Loud verbirgt sich also definitiv mehr als ein Buzz Word, das momentan durch unsere Social Media Feeds zieht. Auch wenn das Prinzip nicht neu ist, bietet euch Working Out Loud durch den methodischen Aufbau und den unterstützenden Circle Guide gerade als Neuling konkrete Schritte, wie ihr eure persönlichen Ziele im Team besser erreichen könnt.

Allem voran stellt euch Working Out Loud einen geschützten Raum zur Verfügung, in dem ihr Neues ausprobieren könnt. Das macht es leichter, euch mit anderen Menschen zu vernetzen und Angewohnheiten zu entwickeln. Diese bereichern euch auch über euren Working Out Loud Circle hinaus und können bei der Erreichung eurer Ziele behilflich.