Das US-Marktforschungsunternehmen Gartner stellte vor einem Jahr die Technologie-Trends für 2021 und darüber hinaus vor. Neben Trends wie Hyperautomation und AI Engineering ist darunter auch das sogenannte Internet of Behaviors (IoB). Was es damit genau auf sich hat und wo es bereits heute den Alltag von uns allen beeinflusst, zeigen wir euch in diesem Blogbeitrag. 

Was ist das Internet of Behaviors? 

Das Internet of Behaviors nutzt Verhaltensdaten, die zum Beispiel über sogenannte „Wearables“ (z.B. Smart-Watches) oder unser Online-Verhalten gesammelt werden. Das IoB hilft dabei, diese Daten aus einer verhaltenspsychologischen Perspektive zu analysieren und zu verstehen. Diese Informationen könnt ihr dann nutzen, um beispielsweise Empfehlungen für die Vermarktung von neuen Produkten abzuleiten.   

Weiterentwicklung des Internet of Things (IoT)

Das sogenannte „Internet of Things“ (IoT) ist vielen von uns ein Begriff. Auch wenn wir nicht ad hoc erklären könnten, was es damit auf sich hat, sind wir bereits täglich mit IoT Anwendungen konfrontiert. Smart Speaker, Smartphones, Smart Homes oder Smart Watches zählen dazu. IoT steht für die steigende Vernetzung „intelligenter“ elektronischer Geräte. Dabei kommunizieren die Geräte miteinander und tauschen Daten aus. Diese können wiederum für Analysen genutzt werden, wobei vor allem die Verbindung der einzelnen Geräte betrachtet wird. 

Das Internet of Behaviors (IoB) (deutsch: Internet der Verhaltensweisen) wird von vielen als eine Weiterentwicklung des Internet of Things (IoT) gesehen. Denn es geht noch einen Schritt weiter. Beim IoB geht es vor allem darum, die Nutzer*innen der Geräte zu analysieren. Und anschließend darauf strukturierte Rückschlüsse auf ihr Verhalten zu extrahieren. Diese Nutzungsdaten können dann verwendet werden, um das Verhalten von Nutzer*innen besser zu verstehen oder auch zu beeinflussen.

Diese Daten ermöglichen es Unternehmen beispielsweise personalisierte und perfekt auf die Nutzer*innen und ihr Verhalten abgestimmte Werbung zu schalten. Zusätzlich zum personalisierten Inhalt können Unternehmen so auch die perfekten Zeiträume abpassen, zu denen sich die Zielpersonen erfahrungsgemäß für bestimmte Produkte interessieren. So wird die gewünschte Aktion, zum Beispiel ein Kauf, möglichst wahrscheinlich. 

Wo begegnet uns das Internet of Behaviors? 

Neben dem bereits angesprochenen Beispiel der tief personalisierten Werbung gibt es verschiedene weitere Anwendungsbeispiele, in denen das Internet of Behaviors eine Rolle spielen kann: 

Kritische Betrachtung des Internet of Behaviors 

Laut Gartner werden bereits heute die Aktivitäten von 40% der Weltbevölkerung digital beobachtet, um unser Verhalten zu analysieren, Maßnahmen abzuleiten und ggf. zu beeinflussen. In der Studie „Top Predictions for IT Organizations and Users in 2020 and Beyond“ von 2019 prognostiziert das Marktforschungsunternehen, dass im Jahr 2026 über 50% der Weltbevölkerung mit Internet of Behaviors Programmen konfrontiert sein werden. Dies  kann sowohl kommerziellen und privaten als auch staatlichen Nutzen dienen.

Aus der Sicht vieler Unternehmen ist diese Entwicklung sicherlich bahnbrechend und extrem hilfreich für ihre Aktivitäten insbesondere in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Produktentwicklung. Aus Sicht von Verbrauchern sind einige Beispiele jedoch eher ein massiver Eingriff in die Privatsphäre.

Die Debatte darüber, wo hier die Grenzen verlaufen und wie eine verantwortungsvolle Nutzung von Daten in diesem Zusammenhang aussieht, nimmt gerade erst Fahrt auf. Die nächsten 3-5 Jahre werden zeigen, welche wirklich hilfreichen und gesellschaftlich akzeptablen Use Cases sich entwickeln und wie das Internet of Behaviors Einzug in unseren Alltag halten wird. Grundsätzlich bietet es das Potential, die Menschheit dabei zu unterstützen ihr Verhalten hinsichtlich verschiedener globaler Probleme, zum Beispiel dem Klimaschutz, zu optimieren.

Aus unserer Sicht sollten wir das Internet of Behaviors jedoch durchaus auch kritisch betrachten. Technologien dieser Art gehen immer mit einer großen gesellschaftlichen und ethischen Verantwortung einher. Auch datenschutztechnisch gibt es einige ungeklärte Punkte. Soll man unser Verhalten wirklich dokumentieren und analysieren, um unsere Umgebung an uns anzupassen? Vereinfacht uns das das Leben oder wird dadurch unser Horizont begrenzt, da wir nur noch das sehen, was derzeit zu unserem Verhalten passt? Möchte ich wirklich, dass Unternehmen mein Verhalten jederzeit beobachten und verarbeiten können? Mit diesem kritischen Blickwinkel werden wie die Entwicklung des Internet of Behaviors weiter beobachten und sind gespannt, was die Zukunft bringt.  

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