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In der Retrospektive führen wir uns vor Augen, was in der letzten Iteration passiert ist. Bei einem Sprint von 4 Wochen, kann einiges schnell in Vergessenheit geraten und andere Dinge den ganzen Sprint überschatten. Um die Ereignisse wieder ins Gedächtnis zu rufen, hilft uns die Visualisierung mithilfe der Retro Methode Zeitstrahl. Klingt banal, ist unserer Erfahrung nach aber eine hilfreiche Methode. Insgesamt sollte man sich hierfür 60-90 Minuten Zeit nehmen.

Das Team sammelt Fakten aus dem vergangenen Sprint

Wir befinden uns in der 2. Phase der Retrospektive. Der Rahmen ist geschaffen, alle sind mithilfe von Methoden, wie z.B. „FEUG“, oder „Grüße aus der Iteration“ auf die Retrospektive eingestimmt. Nun geht es darum, die vergangene Iteration Revue passieren zu lassen. Es werden Fakten gesammelt: Was ist passiert? Was lief gut? Was lief schlecht? Der Fokus liegt dabei auf dem Team und seiner Zusammenarbeit sowie auf genutzten Prozessen und Tools.

Retro Methode Zeitstrahl

Jede*r bringt die persönliche Perspektive ein

Der/die Moderator*in führt wieder durch die Methode und versucht den Teilnehmer*innen möglichst viele Informationen über die letzte Iteration zu entlocken. Zur Visualisierung bringt er/sie ein vorbereitetes Flipchart mit einem Zeitstrahl mit. Je nach Teilnehmerzahl wird die Gruppe in kleinere Gruppen geteilt. Im Team werden Ereignisse aus dem vergangenen Sprint gesammelt, die besonders in Erinnerung geblieben sind, persönlich etwas bedeutet haben oder sonst bedeutsam für den Sprint waren. Wichtig ist es, dass die Teammitglieder ihre persönliche Perspektive auf den Sprint einbringen. Es muss nicht immer einen Konsens geben. Diese Gedanken werden jeweils auf ein Post-it geschrieben. Für die Übung bekommt das Team ca. 10 Minuten Zeit. Wir nehmen dazu in Retrospektiven oft unseren Kalender oder das Board des letzten Sprints zur Hand zu nehmen, um die Erinnerung etwas aufzufrischen.

Der Sprint wird an einem Retro Zeitstrahl visualisiert

Im Anschluss werden alle geschriebenen Post-its passend am Zeitstrahl angeordnet. Danach ist das Team eingeladen, sich den gefüllten Zeitstrahl in Ruhe anzusehen und herauszufinden, was die anderen notiert haben. Währenddessen können gerne weitere Punkte hinzugefügt werden, die den Teilnehmer*innen noch einfallen. Manchmal braucht es den Anstoß durch die Gedanken der anderen Teammitglieder, um sich an Ereignisse zu erinnern.

Retro Zeitstrahl

Wie war die Stimmung während des Sprints?

Eine spannende Erweiterung der Zeitleiste ist das Hinzufügen von Stimmungslinien. Dazu finden sich an der linken Seite des Flipcharts mit der Zeitleiste 3 Smileys: 😊 😐 😟

Nachdem alle Ereignisse auf dem Zeitstrahl eingeordnet sind, überlegt jedes Teammitglied wie die persönliche Stimmung zu diesen Zeitpunkten war. So lässt sich eine Stimmungslinie entlang der Zeitachse ziehen.

Was bedeutet das Ergebnis für das Meeting?

Mithilfe dieser Stimmungslinien lässt sich im Anschluss gut erkennen, welche Ereignisse besonders positive oder negative Stimmung mit sich gebracht haben. In den kommenden Phasen der Retrospektive helfen uns diese Erkenntnisse, Maßnahmen für den kommenden Sprint zu planen. Außerdem ermöglicht diese Übung, dass sich die Teammitglieder besser kennenlernen – welche Situationen sind belastend für die anderen? Was motivierte meine Kolleg*innen? Wer kann gut mit stressigen Phasen umgehen?

Unsere Tipps

Wir haben festgestellt, dass es hilfreich ist, den Zeitstrahl mit einigen Datumswerten zu versehen. So ist klarer über welchen Zeitraum wir sprechen, als wenn wir nur von der „ersten Woche im Sprint“ sprechen. Insbesondere wenn die Iteration recht lang war, kann es außerdem hilfreich sein, wenn der/die Moderator*in bereits im Vorhinein den Zeitstrahl mit einigen Ereignissen bestückt, z.B. bestimmten Meilensteinen, Terminen oder Events.

Um eine bessere Übersicht zu ermöglichen kann es helfen, unterschiedlich farbige Post-its für Kategorien zu benutzen. Beispielsweise gelb für teambezogene Ereignisse, grün für produktbezogene Punkte, pink für organisationsbezogene Aspekte. Dies sollte individuell angepasst an die Bedürfnisse des Teams gemacht werden.

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